Mit Smilla von Kreativlabor Berlin auf dem Lillestoffestival

Dienstag, September 27, 2016


Auch ich hab es getan. Auch ich habe vor ein paar Monaten am Laptop geklebt wie sonst nur mittwochs um 23.59 wenn ich zu Rums verlinke, und habe so schnell es ging ein Wochenendticket und einen Fotoworkshop in den Warenkorb geworfen und bezahlt. Ja, Ich war dabei, beim Lillestofffestival 2016!

Wenn eins schon klar wie Kloßbrühe war, als ich die Tickets gekauft habe, dann, dass ich zum Fotoworkshop endlich eine selbstgenähte Kameratasche mitbringen will. Ich hatte mich schon beim Probenähaufruf von Kreativlabor Berlin und Frau Fadenschein in die Smilla verliebt- wurde aber leider nicht genommen. Um So schöner war es für mich, dass ich den Schnitt dann zur Verfügung gestellt bekommen habe um ihn zu nähen und ihn auf meinem Blog vorzustellen. Vielen Dank dafür an Julia von Kreativlabor Berlin!


Was für mich sehr lang sehr unklar war, war die Auswahl der Stoffe. Ich habe mehrere Male neue Materialkombinationen eingekauft, weil ich wieder unsicher wurde, ob mir die Tasche so gefallen würde- lange gefallen würde, denn eigentlich ist eine Kameratasche etwas praktisches, das mehrere Jahre halten sollte und möglichst zu aller Kleidung passt, in der man sie durch die Welt trägt.... Eher wie ein Schulranzen, funktional, auch schön, aber nicht so, dass sie zu sehr der Mode unterworfen ist.


Hinzu kamen praktische Überlegungen. Für den Schnitt wird ein Nicht fransendes Material für die Akzente und den Boden benötigt. Ich habe mit dem Gedanken gespielt hier echtes Leder zu verwenden, bin dann aber zu Kunstleder übergegangen- so eine Tasche benötigt nämlich einiges an Material- wer öfter Taschen näht, der weiß, das ist kein Schnäppchen, allein das unsichtbare Material kostet oft mehr als der Stoff für ein Kleid! Ich musste also trotz aller Langlebigkeit auch im Auge behalten, dass die Kosten nicht ins unermessliche wachsen (vorallem weil ich ja schon mehrfach Material gekauft hatte....)


Kunstleder hat neben dem Preis eine weitere, für mich sehr wichtige Eigenschaft. Smilla kann neben Kameras auch sehr gut Laptop und weitere Technik transportieren, da sie einen gepolsterten Boden hat ist sie dafür weitaus geeigneter als viele Taschen die ich sonst so nutze, aber gerade für Technik wäre es fatal, wenn man die Tasche auf den Boden stellt und sie sich von unten mit Wasser vollsaugen kann, wenn es feucht ist. Daher war mir immens wichtig, dass das Kontrast- beziehungsweise Bodenmaterial wasserdicht ist.


Beim Hauptstoff habe ich mich letztlich entschieden, als ich die Bucketbag aus dem Inka-Stoff von Räuberfloh fertig genäht hatte. Den blauen Stoff hatte ich zum Designvernähen bekommen, mir aber direkt beide anderen Farbstellungen mitbestellt, weil ich das Design so zeitlos schön fand. Als ich festgestellt hatte, wie toll sich dieser Stoff verarbeiten lässt, war endlich klar, wie meine Tasche aussehen würde- und es war auch schon drei Tage vor dem Lillestofffestival.
Ich musste also schnell sein- und es hat geklappt! Natürlich dauert der Zuschnitt bei Taschen seine Zeit, weil es einfach viele Teile sind und man sehr genau arbeiten muss, aber nachdem das geschafft war, ging das Nähen umso schneller.
Für mich war Smilla der erste Taschenschnitt von Kreativlabor Berlin. Von den Kleidungsschnitten kannte ich schon die im Schnittmuster enthaltene Nahtzugabe, die gerade bei Taschen das ordentliche Arbeiten erheblich erleichtert, weil man so wirklich umlaufend eine genaue Nahtzugabe hat ohne durch das Anzeichnen beim Zuschnitt viel Zeit zu verlieren. Nur wenn man die Nahtzugabe peinlich genau einhält bekommt man im fertigen Ergebnis wirklich passende Abschlüsse- das ist also ein riesiger Pluspunkt!


Auch die Anleitung war gewohnt auf den Punkt formuliert und die Bilder zeigen wirklich was man tun muss. Etwas schwer getan habe ich mich allerdings dieses Mal mit der Anordnung von Bildern und Text- vielleicht aber auch, weil man im Stress nicht so genau liest? Zu Fehlern hat es jedenfalls nicht geführt, nur zu kleineren Orientierungsproblemen beim auf die Anleitung schauen, und ist definitiv meckern auf ganz hohem Niveau.


Die Tasche war erstaunlich schnell genäht, ich hatte mch auf einen deutlich größeren Zeitaufwand eingestellt. Da eine Kamera immer viel Zubehör mit sich bringt, habe ich alle im Ebook enthaltenen Fächer und Taschen eingenäht. Was mir im Praxistest dann etwas fehlte, war aber ein möglichst kleines Steckfach oder Reißverschlusstäschchen, in dem Speicherkarten und Reservebatterien Platz finden. So ein Fach könnte man, im Nahinein betrachtet, noch im Schnitteil für das Große Steckfach oder darauf unterbringen- aber auch hier ist das Meckern wieder an einer Kleinigkeit- man kann für diesen Kleinkram natürlich auch die vorhandnenen zwei Reißverschlussfächer nutzen....
Vom Platz her war ich insgesamt sehr beeindruckt: Ich kann neben dem Kameraeinsatz und dem gesamten Zubehör meiner Kamera, ohne Probleme meinen Laptop ins Steckfach verstauen, und sogar das Stativ meiner Kamera der Länge nach unter der Verschlussklappe durchschieben um es bequem zu Trasportieren. Und bei all dem Hat die Tasche noch immer eine angenehme Größe, und wirkt nicht wie ein Reisekoffer!



Nach der Tasche kam der Kameraeinsatz, und der war ein einziger Kampf. Ich konnte nämlich partout keinen Schaumstoff in der vorgegebenen Dicke auftreiben und musste einen um ganze 5mm dickeren wählen. 5mm sind die Welt für eine Nähmaschine, und auch für die Schnitteile, obwohl es sich so wenig anhört! Durch diese zusätzliche Dicke konnte die Maschine nichtmal bei längster Stichlänge und Obertransport transportieren, sodass ich mich letztlich dafür entschieden habe mit Textilkleber den Boden auf den Stoff zu kleben, und unter Fluchen und mit Hilfe des Reißverschlussfusses die Seitennähte schließen musste. An ein anschließendes Versäubern war hier aus Platzgründen nichtmehr zu denken, daher habe ich einen Überzug für den Kameraeinsatz genäht, in dem sich die unschönen Nähte verstecken. Eigentlich ganz praktisch, denn zwischen Einsatz und Hülle habe ich nochmal etwas Platz um Kleinteile hineinzustecken.


So ist die Tasche dann also gerade eben noch, 8 Stunden bevor das Lillestoffestival seine Pforten öffnete, fertig geworden.
Und hat sich der Aufwand und der Stress gelohnt? Ich würde im doppelten Sinne sagen: Ja!
Es hat sich gelohnt endlich die Tasche zu nähen und die Kamera anstandig einzupacken, es hat sich aber auch gelohnt das Lillestofffestival zu besuchen und viele der Personen, die man nur aus dem Internet kennt, live zu treffen.
Entgegen all meiner Erwartungen vergingen zwei schöne Tage ohne Zickenkrieg und böse Worte- entgegen meinen Erwartungen, weil innerhalb dieser Tage fast 2000 Frauen aufeinander trafen, und die Atmosphäre war insgesamt entspannt und schön.
Natürlich war es etwas laut und auch recht warm- in einer Halle mit vielen Menschen und laufenden Nähmaschinen nicht anders zu erwarten, aber das nimmt man für so ein Event, und auch da es nicht jeden Tag so um mich herum zugeht, gerne in Kauf.
Einzig das Essen hätte etwas besser sein können, vorallem der schon säuerliche Mais an Tag zwei war ein No Go, aber der Fotoworkshop hat dafür richtig Spaß gemacht, sodass der Tag keinesfalls vom Essen verdorben wurde. Wie findet ihr denn die Bilder in diesem Beitrag? Es sind meine ersten ohne Vollautomatik aufgenommenen, und ich würde sagen, man sieht schon, dass ich etwas gelernt habe, oder?


Schnitt: "Smilla" von Kreativlabor Berlin, gemusterter Stoff "Dekostoff Inka" von Räuberfloh, Kunstleder von Kunstleder Grimpy, Karabiner von Prym
Verlinkt: "12 Letters of Handmadefashion", Creadienstag, Handmade on Tuesday, Lillestofffestival-Linkparty, Dienstagsdinge



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