ABER

Freitag, August 28, 2015

Ich möchte hier noch einen kleinen Nachtrag machen: Ich habe in der letzten Woche viel positive Rückmeldung bekommen, von Leuten, die es auch so sehen wie ich, und die helfen wollen. Viele möchten Sachspenden abgeben, aber bei uns in Hannover werden in vielen Einrichtungen nur spezielle Dinge gebraucht. #BloggerFuerFluechtlinge ist eine Organisation die ihr auch unterstützen könnt, wenn ihr keine passenden Sachspenden habt. Nähere Informationen findet ihr hier. 
In Hannover unterhält die HAZ eine Liste in der die verschiedenen Einrichtungen angeben was sie brauchen und was man dort abgeben kann.
Was ich ganz wichtig finde und betonen möchte: Wenn Spendensammlungen organisiert werden, bitte vertraut den Leuten, und fahrt nicht für jedes Teil auf eigene Faust zu den Einrichtungen. Es gibt immer irgendwo schwarze Schafe, aber wenn ich höre, dass Sachspenden nur abgegeben werden unter der Bedingung, dass man selbst denjenigen besuchen oder aussuchen darf, der sie bekommt, dann wird mir schlecht. Bitte denkt auch hier daran, es sind Menschen! Es sind keine Tiere im Zoo, und eine Spende bedeutet nicht sich ein Ticket zu erkaufen um mal gucken zu dürfen. Wenn ihr Kontakt wollt, dann fragt an, ob ihr als Freiwillige ehrenamtlich etwas tun könnt. Gebt Deutschunterricht oder Nachhilfe, es gibt vieles was man tun kann, aber gebt es selbstlos und nicht in der Hoffnung als der edle Spender angebetet zu werden!
 

Trotz der bunten Bilder die ich hier sonst zeige- oder auch gerade deswegen, möchte ich ein ernstes Thema ansprechen und Stellung beziehen. Wahrscheinlich reicht euch dieser Satz schon damit ihr wisst worum es jetzt geht, er ist leider aktuell eine häufige Einleitung in ein Thema, das die Medien regelrecht überschwemmt. Ich habe lange überlegt ob ich dazu etwas schreiben soll, da es eigentlich in diesem Blog um Handarbeiten geht, aber es geht auch um Dinge die mir am Herzen liegen, und damit ist dieses Thema auch hier wichtig.
Es geht mir um Menschen. Aktuell werden diese Menschen gerne nur pauschal "die Flüchtlinge" genannt. aber ich möchte ganz bewusst darauf verzichten sie so zu nennen. Durch diese Zusammenfassung wird aus den Menschen, die sich gerade auf der Flucht befinden und die auch nach Deutschland kommen eine Gruppe, eine Gruppe die auf viele bedrohlich wirkt, aber in der Gruppe geht der einzelne oft verloren, und so bei denen die darüber schreiben, lesen, reden, diskutieren und vorallem bei denen die nur kommentieren, das Gefühl, dass das worüber sie da sprechen Menschen sind. Menschen, die alles verloren haben, was ihnen wichtig war, alles was ihr Leben ausgemacht hat, die wenn sie Glück haben noch eine Familie haben, wenn nicht vielleicht alleine losgeschickt wurden auf den Weg in ein anderes Land, in eine fremde Kultur, mit der Hoffnung der menschen beladen, die darauf warten nachkommen zu können. Menschen, die sich nicht anders verhalten wir ihr oder auch ich es in ihrer Situation tun würden!
Das Unwort des Jahres ist für mich in diesen Wochen eindeutig ABER geworden. Ein Unwort, weil es Sätze einleitet, deren Aussage für mich ein Unding sind.
"ABER wir haben hier auch Probleme! ABER wir haben arme Rentner, arme Hartz IV -Empfänger, die haben ja keine Chance mehr wenn so viele kommen und es dann keine Jobs mehr gibt!"
"ABER wenn die alle Wohnungen brauchen, dann bekommen die Deutschen Familien mit ihren Kindern keine Wohnungen mehr"
"ABER die tragen Markensachen und haben Smartphones"
Zu all diesen ABER gibt es unzählige Artikel im Netz, in denen aufgeklärt wird, in denen genau dargelegt wird, warum uns der Zustrom von Menschen keine Angst machen muss, warum es den Deutschen Staat entlasten könnte, dass gut ausgebildete Leute kommen, die bei unserem Fachkräftemangel hilfreich sein könnten. Seriöse Artikel, von Zeitungen, die nicht nur Bilder veröffentlichen, und deren Artikel gut recherchiert werden.
Was mich erschreckt und ärgert, mich mich fragen lässt, ob ich mich in meinen Freunden getäuscht habe ist, dass ihr immer wieder Artikel oder Internetseiten teilt, oder ganz offen in euren Status schreibt, in denen ohne Hintergrundinformationen und vorallem von einfach als rechts zu entlarvenden Seiten mit Pauschalisierungen und Phrasendrescherei Stimmung gemacht wird gegen Menschen, die Hilfe brauchen und offensichtlich in ihrem Leben schlimmeres ertragen mussten und müssen als ihr euch je vorstellen könnt!
Ja, wir haben in diesem Land Probleme, bei denen sich jeder Wünschen würde, dass die Politik sich darauf konzentriert und dass sie endlich behoben werden, man das Gefühl bekommt, dass sich etwas bewegt.
Ja, unsere Volksvertreter zeigen sich viel zu bedeckt wenn es um Antworten auf die Sorgen ihrer Wähler geht, wie mit der aktuellen Situation umgegangen werden sollte.
Ja, durch viele Regelungen liegen die Menschen die hier ankommen dem Staat länger auf der Tasche als nötig, und vorallem oft viel länger als sie es selbst wollen. Nur wenn man es ändert und sie sofort arbeiten dürften würdet ihr wahrscheinlich wieder schreien "ABER sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg"
Was ich leider von keinem von euch gelesen habe, und was ich hier ganz deutlich sagen möchte:

ICH KANN DIESE MENSCHEN VERSTEHEN UND ICH WÜRDE ES GENAUSO MACHEN!

Wenn ich mein Leben und das meiner Familie dadurch sichern oder retten könnte, dass ich meine Heimat verlasse, auch wenn es bedeutet alles zurückzulassen was ich kenne und habe, dann würde ich genau so handeln. Wenn ich nicht genug zu essen für mein Kind hätte, ich würde gehen. Wenn es Bomben regnen würde und ich müsste Angst um mein Leben haben, ich würde gehen. Wenn es der Weg wäre meine Kinder und mich vor Vergewaltigung zu schützen, meinen Mann vielleicht davor ermordet zu werden, wenn mein Leben voller Angst und Terror wäre, dann würde ich gehen. Wenn ich wüsste, dass der einzige Weg, dass mein Kind eine Gesundheitsversorgung und etwas zu essen hat, und es eine Bildung bekommen könnte, mit der auch meine Enkel ein besseres Leben haben könnten, dann würde ich gehen. Ich würde gehen und hoffen, dass ich mit offenen Armen empfangen werde. Ich würde all meinen Mut zusammennehmen und mein Leben aus dem Nichts wieder aufbauen, wenn es einen Ort gäbe, von dem ich hoffen kann, dass dieses bessere Leben dort möglich ist. Und ich frage euch ganz ehrlich, WÜRDET IHR ES NICHT GENAUSO MACHEN?

In diesen Relationen ist es in meinen Augen recht unwichtig, ob ich eine schönere Wohnung bekomme als die die ich jetzt habe. Da ist es egal ob ich mir ein neues Handy kaufen kann. Wir sollten helfen, weil wir alle Menschen sind. Alle gleich. Dass wir in Deutschland geboren sind ist kein Verdienst. Es ist keine Rechtfertigung unsere Probleme als wichtiger herauszustellen. Das Argument, dass ich in Deutschland lebe und arbeite und Steuern zahle, und dass mein Wohlstand deswegen der Sicherung des Lebens eines Menschen aus einem anderen Land vorzuziehen wäre ist rassistisch! Auch wenn ihr es anders formuliert und hinter einem ABER versteckt.
Vielleicht redet ihr mal mit euren Großeltern, Urgroßeltern, vielleicht der alten Nachbarin von gegenüber. Fragt sie mal wie das damals war, im Krieg. Fragt mal nach was es bedeutet zu hungern. Wie es ist, wenn das Land in Schutt und Asche liegt. Lasst euch nochmal erklären, wie man sich fühlt, wenn man in einem Schutzkeller sitzt und die Bomben fallen. Nur weil wir es noch nicht erlebt haben ist es noch lange nicht so weit weg wie ihr meint. Und dann überlegt nochmal: WÜRDET IHR ES NICHT GENAUSO MACHEN? UND WAS WÜRDET IHR EUCH FÜR EINEN EMPFANG IN EURER NEUEN HEIMAT WÜNSCHEN?


MACHT DEUTSCHLAND BUNT, LASST KEIN BRAUN IN EUER HERZ, SCHALTET EUREN VERSTAND EIN!

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