Lilly, wie bist du eigentlich zum Nähen gekommen?

Sonntag, September 14, 2014

So lange wie ich mich zurück erinnern kann fand ich selbstgemachtes immer toll. In den Kindergarten bin ich in Pullovern gegangen, die mir meine (Groß)Tante Luise gestrickt hat, und ich kann mich noch genau an das rote Set mit gelben, weißen und blauen Blättern darauf erinnern, das meine Mutter mir genäht und mit zu meiner Ima gebracht hat, als sie mich dort abholte nachdem ich ein paar Tage Ima-Urlaub gemacht hatte.
Später war ich in den Ferien immer für ein paar Tage bei Tante Luise und habe von ihr nach und nach das Häkeln, Stricken und Sticken gelernt, woran ich bei jedem Projekt, das ich in dieser Richtung beginne, denken muss. Dann kam die Zeit der Barbiepuppen. Für sie habe ich das erste mal genäht- von Hand, und aus der jetzigen Sicht waren meine Werke natürlich nicht genäht, sondern gereiht, aber es war etwas selbstgemachtes, nur meine Barbies hatten diese Coture de Soffreste, und viel wichtiger- nur ich konnte ihnen neue Kleidung machen, während meine Freundinnen mit offenem Mund guckten und sich nicht erklären konnten wie ich das gemacht hatte.
Es gingen wieder einige Jahre ins Land, bis ich auf die Idee kam mir eine Tasche nähen zu wollen, wieder aus Resten und dieses Mal nicht von Hand sondern an Mamas Nähmaschine. Es wurde ein einfacher Stoffbeutel, aber immerhin schon einer mit Reißverschluss, und einem alten Gürtel als Griff. Nur Mamas Nähmaschine und ich harmonierten nicht besonders. Wenige Wochen später gab es dann eine Mini-Nähmaschine bei Rossmann, inklusive Garn und Spulen, kostete nur 12 Euro- konnte auch nur vorwärts nähen und hatte nichtmal einen Zickzackstich- ich war begeistert, das Maschinchen kam mit nach Hause und ich dachte mir die nächste Tasche aus, einen Beutel mit einem Band zum Knoten, einem seperat eingesetzen Boden und durch Falten am Boden schön bauchig. Ich habe diese Tasche viel benutzt aber auch genausoviel repariert- wer schon einmal Jeans und Baumwolle mit einem Gradstich vernäht hat ohne zu versäubern weiß sicher wovon ich spreche..... Damals muss ich ungefähr 16 gewesen sein, und die kleine Nähmaschine verhalf mir auch zu einigen Tischsets, Deckchen und drei Jahre später in meiner ersten Wohnung sogar Raffrollos und Gardienen.
All das schien mir aber nichts gegen das zu sein, was eine Freundin, die ich inzwischen kennengelernt hatte, an der Nähmaschine vollbrachte. Sie hatte eine kleine Tochter, die tolle selbstgenähte Klamotten hatte, selbst trug sie fast nur selbstgenähte T-shirts und Kleider, und sie wusste sogar wie man Jacken und Co nähte. Für mich war es unfassbar, wie gut sie sich auskannte, was sie für Nähmaschinen hatte, und dass ihr Mann sogar damit einverstanden war, dass sie im Wohnzimmer eine Große Platte auf zwei Böcken als Zuschneidetisch hatte. Trotzdem bewunderte ich ihr können still, meine kleine Nähmaschine blieb in ihrer Kiste im Schrank und ich frischte in Eigenregie meine Kentnisse beim Stricken wieder auf- etwas das ich jahrelang nichtmehr gemacht hatte. Kaum ging meine Freundschaft zu Lilli in die Brüche, kam dann meine große Chance. Die Mutter meines damaligen Freundes schenkte mir ihre alte aber nicht genutzte Victoria-Nähmaschine. Ich rüstete mich aus mit Ikea-Bettwäsche (dass man daraus Probestücke machen kann bevor man teuren Stoff vernäht wusste ich von Lilli), und einer Ausgabe der Burda, und begann meine ersten, unbeholfenen Versuche- einen Rock aus mehr als 40 Einzelstücken Stoff, der als "leicht" gekennzeichnet war. Auch daraus lernte ich etwas: ich habe nie wieder ein Projekt begonnen, dass aus so vielen Einzelteilen zugeschnitten werden muss. Wobei ich inzwischen mit einem Rollschneider sicherlich bessere Karten hätte, als damals, wo ich nichtmal wusste, wie man Stoffe in doppelter Lage zuschneidet. Der Rock landete in einer Kiste und wurde erst 4 Jahre später wieder herausgeholt (ich habe ihn dann aber aus deutlich weniger Bahnen genäht).
Zwischenzeitlich kamen wieder nur Kleinstprojekte wie Kissenbezüge unter meine Nadel, bis ich dann wieder mitangesteckt wurde, als eine Freundin beschloss sich eine Nähmaschine zu Weihnachten zu wünschen. Ich erinnerte mich an meine und begann wieder mit kleinen Projekten, wobei dieses Mal eine Bluse fertig wurde, ich besagten Rock beendete und auch anschließend nichtmehr von der Nadel los kam. Ich nähte mich durch alle Kategorien und kaufte mir zum Bachelorabschluss meine jetzige Nähmaschine von W6- ich wollte schon lange eine neue Maschine und nachdem ich eine Vorversion meiner jetzigen Bei einer Freundin ausprobieren durfte war ich hin und weg.
Ein zusätzliches Hoch erlebt mein Nähleben nun dadurch, dass ich schwanger wurde. Nicht weil ich wie verrückt angefangen habe Babyklamotten zu nähen, was ja viele Mütter zum Nähen bringt, sondern, dass ich feststellen musste, dass es in der Schwangerschaft ganz und gar nicht leicht ist passende Klamotten zu finden. Alles was man vorher in den Geschäften sieht, neugierig beguckt und für seine persönliche Umstands-Gaderobe einplant, streicht man wieder von seiner Einkaufsliste, wenn man es dann, wenn man wirklich schwanger ist, anprobiert hat und feststellen muss, dass die Hosen zwar modisch sind, aber bei jedem Schritt nach unten rutschen, und dass es nichtmal im Sommer eine geringe Auswahl an Röcken oder luftigen Kleidern gibt.
Ich bin dazu übergegangen Schnitte von vorhandener, passender Kleidung abzunehmen, eine Aussparung für den Bauch einzuplanen, und sie mit einem Jerseybund zu versehen. Dadurch habe ich mich erstmal an den von mir gefürchteten Jersey gewagt, und inzwischen auch ein sehr bequemes Kleid genäht- der Schnitt ist aus der aktuellen Burda, in der Mitte von mir um Platz für den Bauch erweitert. Wie das funktioniert erkläre ich aber in einem seperaten Post, dieser hier ist schon textlastig genug.


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